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09.03.2013 - Von Bernd Heiden

Manchmal braucht's harte Ritual

Info
Die Esoterik-Tage am 09.03.-10.03.13 haben am Samstag von 11 bis 19 Uhr, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Karin Kristan sucht auf der Esoterikmesse den Pendelkontakt mit einem schottischen Druidenstein.

 

vesna-berichtVom Handlesen bis zur Aromentherapie, Meditation mit Klangschalen und indianischen Flöten: Die Esoterik-Tage mit Messe im Schiller-Foyer und Workshops und Seminaren in der Sindelfinger Stadthalle bietet für Interessierte vieles aus den Bereichen Spiritualität und Wellness bis zu ganzheitlicher Therapie. Der Veranstalter rechnet mit rund 2000 Besuchern.
Im elften Jahr schon sind sie hier zu Gast, die Esoterik-Tage, die das Jahr über freilich auch Station in anderen Teilen der Republik und in Österreich machen. „Die Stadthalle ist besonders schön, weil sie viel Licht reinlässt und Ausblick auf einen Park bietet. Das hat man nicht überall", rühmt Antje Radspieler vom veranstaltenden ESO-Team die Lokalität.

62 Aussteller von Schleswig-Holstein bis ins Rheinland, vor allem aber aus dem Umkreis von rund hundert Kilometern hat Veranstalter Franz Prohaska diesmal hier versammelt. Regionale Vorlieben in Sachen Esoterik kann der Münchner Esoterik-Messen-Veranstalter dabei nicht feststellen, eine Tendenz aber schon. „Die Nord-Süd-Ausrichtung. Je südlicher sie kommen, um so besser wird es angenommen", sagt Prohaska. Und hat dafür keine esoterisch- transzendente, sondern profan-rationale Erklärung. „Das hat was mit dem Wohlstand zu tun."

Denn wer etwa Angst um seinen Arbeitsplatz hat, der habe mit spirituellen Dingen weniger im Sinn. Die Esoterik-Klientel sei dabei zu 90 Prozent weiblich, mit der breiten Altersstreuung von 20 bis 60. „Es gibt selten Messen, die vom Alter her so breit aufgestellt sind." Als allgemeinen Trend macht er in der Eso-Szene das immer massivere Aufkommen von Wellness-Themen aus.
„Bei mir gibt's kein Aufweichen", grenzt sich die Kölnerin Vesna Zimek, erstmals in Sindelfingen mit einem Stand dabei, von solch Esoterik „light" ab. „Wenn Sie jahrelang von einem Hausgeist geplagt werden, muss da ein knallhartes Ritual her statt Räuchern oder Salbei!" Zwar bietet sie auch Karten- und Runenlegen sowie Glaskugelschau an, Rituale seien aber ihr Spezialgebiet. Besonders Hilfesuchende in Liebesdingen kämen zu ihr. Bei der Paarzusammenführung beschränke sie sich allerdings auf weiße Magie, wo im Gegensatz zur schwarzen Magie keiner gegen seinen Willen zu etwas gezwungen werde. Ihre Kundschaft kommt aus allen Schichten. „Das sind Menschen von der Toilettenfrau bis zum Millionär", erzählt sie. „Auch Rechtsanwälte und Politiker sind darunter." Allerdings nehme sie nicht alle Anfragen an. „Wenn es nachher nicht klappt, schade ich mir damit ja noch selbst."
Neben viel Gestein und Mineralien mit vermeintlich heilenden und stärkenden Kräften, Angeboten wie Biofeedback-Messung-Aurafotografie aus den Naturheilkliniken und Wahrsager- und Hellseherei in Tradition von Altgermanien bis zum antiken Indien gibt's diesmal auf der Messe sogar einen Wahlkampf-Stand. Die Partei „Die Violetten", die ganzheitliche spirituelle Ansätze in die Politik tragen will, sammelt Unterschriften für die Zulassung auf der Zweitstimmen-Landesliste zur Bundestagswahl. Eso hin, Spirit her, Violetten-Aktivist Stefan Herbert redet durchaus Polit-Klartext: „Wir setzen uns fürs bedingungslose Grundeinkommen ein."

Bild: Heiden